Expeditionsschiffe - Welche Schiffsgrösse passt zu Ihnen?

© Chris­ti­an Bruttel

Es gibt mitt­ler­wei­le eine Viel­zahl guter Schiffs­rei­sen in die Polar­ge­bie­te. Bei der Aus­wahl soll­ten Sie jedoch immer auf die Erfah­rung der Ree­de­rei und des Rei­se­ver­an­stal­ters ach­ten. Ver­trau­en Sie Exper­ten und ent­spre­chend aus­ge­rüs­te­ten Schif­fen. Mit einer Rei­se in die Ark­tis oder Ant­ark­tis besu­chen Sie außer­ge­wöhn­li­che Gebie­te, in denen man je nach den ört­li­chen Ver­hält­nis­sen stets aufs Neue über das Pro­gramm ent­schei­den muss. Dabei wird die Erfah­rung der Schiffs- und Rei­se­lei­tung von gro­ßer Bedeu­tung sein.

© Dierk Ronneberger

Beson­ders emp­foh­len sei­en an die­ser Stel­le die klei­nen Expe­di­ti­ons­schif­fe MS Sea Endu­ran­ce (ehe­mals MS Quest, nur 52 Pas­sa­gie­re) und die MS Cape Race (12 Pas­sa­gie­re). Die Sea Endu­ran­ce wur­de für den Ein­satz als Pas­sa­gier­fäh­re für die Küs­ten­ge­wäs­ser von Grön­land gebaut. Ihr Rumpf ist sehr soli­de und ver­fügt über eine sehr hohe Eis­klas­se. Die MS Cape Race ist ein ehe­ma­li­ges Fischer­boot, das in den letz­ten Jah­ren zu einer wirk­lich wun­der­schö­nen Expe­di­ti­on­syacht umge­baut wur­de. Ihre Kabi­nen haben eine Decken­hö­he von 2,50 m, was für Schif­fe — gera­de die­ser Grö­ßen­ord­nung — alles ande­re als selbst­ver­ständ­lich ist.

Eisbrecher und grössere Schiffe

Die MS Bre­men und MS Han­sea­tic der Ree­de­rei Hapag Lloyd sind recht luxu­riö­se Schif­fe, aller­dings mit 164 bzw. 180 Pas­sa­gie­ren rela­tiv groß, was zwangs­läu­fig Ein­schrän­kun­gen bei den Land­aus­flü­gen und Schlauch­boot­tou­ren mit sich bringt.

Wenn Sie grö­ße­re Expe­di­ti­ons­schif­fe für Ihre Rei­se in die Ark­tis oder Ant­ark­tis bevor­zu­gen, ist die MS Fram (250 Pas­sa­gie­re) eine Über­le­gung wert, aller­dings müs­sen Rei­sen­de in Kauf neh­men, nur rela­tiv kur­ze Zeit an Land oder im Schlauch­boot ver­brin­gen zu kön­nen, was das Natur­er­leb­nis erheb­lich schmä­lert. Die Pas­sa­gie­re wer­den in Grup­pen ein­ge­teilt. Wird der Land­gang z. B. wegen auf­zie­hen­dem schlech­ten Wet­ter abge­bro­chen, haben die Gäs­te in den letz­ten Grup­pen das Nachsehen.

Die Eis­bre­cher Kapi­tan Khleb­nikov und Polar Star fah­ren bei­de nicht mehr. Der Erst­ge­nann­te ist im “ech­ten” Arbeits­ein­satz in der Ark­tis und Ant­ark­tis unter­wegs und daher für tou­ris­ti­sche Kreuz­fahr­ten nicht mehr zu haben. Die Polar Star hat­te im Win­ter 2010/11 eine Hava­rie in der Ant­ark­tis, in des­sen Fol­ge die Ree­de­rei Insol­venz ange­mel­det hat. Für eine Rei­se zum Nord­pol kommt nur der größ­te Eis­bre­cher der Welt, die 50 Years of Vic­to­ry in Frage.

Ihre Wahl zwischen Expeditions- & Kreuzfahrtcharakter

Grund­sätz­lich ist bei klei­ne­ren Schif­fen der Expe­di­ti­ons­cha­rak­ter aus­ge­präg­ter, wäh­rend auf Rei­sen mit grö­ße­ren Schif­fen der Kreuz­fahrt­cha­rak­ter domi­niert. Wenn Sie beson­de­ren Wert auf klei­ne Grup­pen und viel Zeit an Land legen, dann soll­ten Sie sich ein­mal das ältes­te Expe­di­ti­ons­schiff über­haupt anschau­en: Die MS Stock­holm von 1953 ist ein gedie­ge­nes Schiff mit unglaub­li­cher Atmo­sphä­re und Cha­rac­ter. Sie gehört dem Kapi­tän Per Eng­val, der sie lie­be­voll in Schuss hält und jeden Som­mer sei­nen 12 Pas­sa­gie­ren ein ein­ma­li­ges Spitz­ber­gen-Erleb­nis bie­tet. Man darf sagen, dass es sich um die wirk­lich schöns­ten Rei­sen über­haupt han­delt. Mit War­te­zei­ten von 1 — 2 Jah­ren muss lei­der gerech­net werden.

Die etwas grö­ße­ren Ein­hei­ten bie­ten meist mehr Kom­fort und sind die bes­se­re Wahl, wenn Sie auch sonst ger­ne Kreuz­fahr­ten unter­neh­men. Dane­ben soll­ten Sie noch berück­sich­ti­gen, dass die Sea Endu­ran­ce, die Stock­holm, die Pola­ris, die Hans Hans­son und die Cape Race  mit deutsch­spra­chi­gen Expe­di­ti­ons­lei­tern und Gui­des fah­ren. Die Fram und ande­re Schif­fe sind in der Regel mehr­spra­chig unter­wegs, wobei Eng­lisch häu­fig die Vor­trags­spra­che ist.

Die rela­tiv leicht zugäng­li­che Ant­ark­ti­sche Halb­in­sel lässt sich von Novem­ber bis Anfang März gut mit eis­ver­stärk­ten Schif­fen errei­chen. Im Hoch­som­mer (Dezem­ber — Febru­ar) ist dies theo­re­tisch auch ohne Eis­ver­stär­kung mög­lich. Anlan­dun­gen erfol­gen hier fast immer mit beson­ders sta­bi­len Schlauch­boo­ten (Zodiacs). Die weit­aus abge­le­ge­ne­re und sel­te­ner besuch­te Ross See und alle ande­ren Regio­nen der Ant­ark­tis sind dage­gen meist nur mit einem Eis­bre­cher zu befah­ren, der zusätz­lich Hub­schrau­ber an Bord hat.

Die Eisverhältnisse sind entscheidend

Auch in der Ark­tis sind die Eis­ver­hält­nis­se ent­schei­dend für die Wahl Ihres Schif­fes. So las­sen sich man­che Gebie­te im Nor­den Grön­lands, Kana­das und Russ­lands zu bestimm­ten Jah­res­zei­ten oft nur mit einem Eis­bre­cher im Rah­men von Expe­di­ti­ons­rei­sen errei­chen. Für alle ande­ren Regio­nen sind klei­ne­re, eis­ver­stärk­te Schif­fe in der Regel die bes­te Wahl; für den Wes­ten Grön­lands und Spitz­ber­gen bedarf es im Som­mer kei­ner Eis­ver­stär­kung. Tschu­kot­ka und das Natur­pa­ra­dies Wran­gel Island in der Rus­si­schen Ark­tis wer­den von der MS Spi­rit of End­erby (50 Pas­sa­gie­re) angelaufen.

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