Tourismus & Urlaub in den Polargebieten -Verhaltensregeln

Expeditionskreuzfahrten nehmen zu

© Dierk Ron­ne­ber­ger

Mit den Polar­ge­bie­ten haben sich in den letz­ten Jah­ren dem inter­es­sier­ten Rei­sen­den neue, noch ent­le­ge­ne­re Regio­nen erschlos­sen — und das gilt ins­be­son­de­re für die Ant­ark­tis. Eine wich­ti­ge Vor­aus­set­zung war die Bereit­stel­lung von beson­ders aus­ge­rüs­te­ten, eis­ver­stärk­ten Schif­fen. Die Ant­ark­tis und die Sub­ant­ark­tis sind fast nur mit dem Schiff zu errei­chen, wobei der Schwer­punkt bis heu­te bei jähr­lich stei­gen­den Besu­cher­zah­len auf der Regi­on der Ant­ark­ti­schen Halb­in­sel liegt. So ver­wun­dert es nicht, dass die­se soge­nann­ten Expe­di­ti­ons­kreuz­fahr­ten in die Ant­ark­tis und die Ark­tis immer häu­fi­ger dis­ku­tiert wer­den. Hier fin­den Sie eini­ge Ant­wor­ten zu die­sem The­ma.

Es gibt heu­te eini­ge Schif­fe, die hin­sicht­lich der Eis­ver­stär­kung und Umwelt­freund­lich­keit alle Vor­aus­set­zun­gen für siche­res Navi­gie­ren im Eis besit­zen. Die­se Ein­hei­ten haben die höchs­te Eis­klas­se aller Pas­sa­gier­schif­fe und kön­nen selbst im Pack­eis noch gut ope­rie­ren. Durch Anla­gen zur Trink­was­ser­ge­win­nung, Abwas­ser­auf­be­rei­tung, und Müll­ver­bren­nung sind die­se Schif­fe in der Lage, selbst wäh­rend mehr­wö­chi­ger Fahr­ten in pola­ren Gewäs­sern kei­ne Spu­ren zu hin­ter­las­sen. Sie ver­fü­gen zudem über leis­tungs­fä­hi­ge Schlauch­boo­te (sog. »Zodiacs«), mit denen Pas­sa­gie­re sicher an Land gebracht wer­den kön­nen. Eis­bre­cher haben dar­über hin­aus Hub­schrau­ber an Bord. Für die Sicher­heit der Rei­sen­den gel­ten höchs­te Maß­stä­be.

Strenge Vorschriften für Reiseveranstalter

Alle ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ten Ree­der und Ver­an­stal­ter sind im Ver­band der inter­na­tio­na­len Ant­ark­tis-Rei­se­ver­an­stal­ter IAATO orga­ni­siert und unter­neh­men gro­ße Anstren­gun­gen, durch ein aus­ge­wähl­tes Exper­ten-Team die Rei­sen­den auf die pola­re Umwelt vor­zu­be­rei­ten und zu umwelt­be­wuss­tem Ver­hal­ten anzu­lei­ten. Zudem gibt es mitt­ler­wei­le eini­ge inter­na­tio­na­le Ver­ein­ba­run­gen – dar­un­ter das Umwelt­schutz­pro­to­koll zum Ant­ark­tis-Ver­trag von 1991 (»Pro­to­koll von Madrid«) – die den Schutz der Ant­ark­tis als Natur­re­ser­vat sicher­stel­len sol­len.

Alle Akti­vi­tä­ten in der Ant­ark­tis unter­lie­gen also stren­gen Anfor­de­run­gen an den Schutz der Umwelt. Des­halb müs­sen Tätig­kei­ten, die in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land orga­ni­siert wer­den oder von ihrem Hoheits­ge­biet aus­ge­hen, vom Deut­schen Umwelt­bun­des­amt geneh­migt wer­den. Dies gilt für alle For­men des Tou­ris­mus — Expe­di­ti­ons­kreuz­fahr­ten, aber z. B. auch Yacht­rei­sen — und Akti­vi­tä­ten in der For­schung.

In den Pro­spek­ten der Ver­an­stal­ter erschei­nen die Polar­ge­bie­te häu­fig zu Recht als kaum zu über­bie­ten­der Höhe­punkt und so stei­gen die Besu­cher­zah­len ste­tig an. Trotz­dem lie­gen sie z. B. für den ant­ark­ti­schen Kon­ti­nent — immer­hin andert­halb mal so groß wie die USA — noch auf einem rela­tiv nied­ri­gen Niveau, d. h. bei ca. 28.000 Besu­chern im Jahr. Die Rei­se­ver­an­stal­ter sor­gen seit Beginn des Tou­ris­mus in der Ant­ark­tis vor fast 40 Jah­ren für eine Ein­hal­tung der ver­ein­bar­ten Grund­sät­ze, wobei für jeweils etwa 15–20 Pas­sa­gie­re ein beglei­ten­der Lek­tor oder Wis­sen­schaft­ler ver­ant­wort­lich ist und nie­mals mehr als maxi­mal 100 Besu­cher gleich­zei­tig an Land sein dür­fen. Für Schif­fe mit mehr als 200 Pas­sa­gie­ren gel­ten Ein­schrän­kun­gen hin­sicht­lich der Zie­le und Anlan­dun­gen. Oft wer­den sol­che Rei­sen im Gegen­satz zu Expe­di­ti­ons­rei­sen auch als »Erleb­nis­kreuz­fahrt« oder »Aben­teu­er­kreuz­fahrt« ange­bo­ten.

Ökologische Einflüsse

Der Ein­fluss des Tou­ris­mus ist im Hin­blick auf die öko­lo­gi­schen Belas­tun­gen in der Ant­ark­tis anders zu bewer­ten als in der Ark­tis mit ihren aus­ge­dehn­ten Tun­dra­be­rei­chen. Mensch­li­che Akti­vi­tä­ten kön­nen in ant­ark­ti­schen Land­schaf­ten mit ihrer sen­si­blen Flech­ten- und Moos­ve­ge­ta­ti­on und den zutrau­li­chen Pin­gui­nen und Rob­ben durch­aus zur Bedro­hung wer­den. Fach­leu­te sind sich aber dar­über einig, dass Umwelt­schä­den ins­be­son­de­re dort auf­tre­ten, wo For­schungs­sta­tio­nen auf engem Raum neben­ein­an­der ope­rie­ren wie es z. B. im Bereich der Insel King Geor­ge der Fall ist. Bri­ti­sche Bio­lo­gen haben auf der ande­ren Sei­te das Ver­hal­ten von Ade­lie-Pin­gui­nen neben Besu­chern unter­sucht und her­aus­ge­fun­den, dass eine in einer Kolo­nie auf­tau­chen­de Raub­mö­we die Pin­gui­ne bereits mehr beun­ru­higt als ein foto­gra­fie­ren­der Tou­rist (wenn die­ser die vor­ge­schrie­be­nen Abstän­de ein­hält, und sich ruhig ver­hält).

Bevor­zug­te Zie­le der Ant­ark­tis Rei­sen sind vor allem Plät­ze und Sta­tio­nen im Bereich der Ant­ark­ti­schen Halb­in­sel, die in unter­schied­li­cher Inten­si­tät ange­lau­fen wer­den. Bei rund 40.000 Besu­chern im Jahr, davon ca. 13 % aus Deutsch­land, wer­den eini­ge weni­ge Anlan­de­stel­len von über 8.000, ande­re nur ein­mal von weni­ger als 100 Rei­sen­den auf­ge­sucht. Die Besu­cher­fre­quenz hängt wie über­all in den Polar­re­gio­nen auch von den Wet­ter- und Eis­ver­hält­nis­sen ab.

Für den Tou­ris­mus gesperrt sind vie­le Gebie­te von beson­de­rem wis­sen­schaft­li­chen Inter­es­se und ande­re geschütz­te Area­le, sog. »Spe­ci­al­ly Pro­tec­ted Are­as«.

Einsatz von Flugzeugen

Neben Schif­fen wer­den zum Trans­port von Besu­chern und Gütern auch Flug­zeu­ge ein­ge­setzt. Da es sich in der Regel um klei­ne­re Maschi­nen han­delt, hält sich der Tou­ris­mus in Gren­zen, auch weil die Ver­sor­gung der diver­sen Ant­ark­tis-Sta­tio­nen im Vor­der­grund steht. Die chi­le­ni­sche Luft­waf­fe fliegt seit vie­len Jah­ren jeden Som­mer eini­ge Hun­dert Besu­cher auf die Insel King Geor­ge, wo einer der weni­gen Flug­plät­ze liegt. Seit kur­zer Zeit wer­den kom­bi­nier­te Flug- & Schiffs­rei­sen zur ant­ark­ti­schen Halb­in­sel ange­bo­ten. Dadurch ent­fällt die Rei­se durch die gefürch­te­te Dra­ke Pas­sa­ge, was die Rei­se­zeit erheb­lich ver­kürzt.

In der Ver­gan­gen­heit wur­den auch Flü­ge zum Süd­pol und Rei­sen mit dem Atom­eis­bre­cher zum Nord­pol ange­bo­ten, aber nur für einen begrenz­ten, zah­lungs­kräf­ti­gen Teil­neh­mer­kreis. Die jähr­lich stei­gen­den Besu­cher­zah­len gel­ten zum Teil auch für den Aus­tra­li­en und Neu­see­land zuge­wand­ten Teil der Ant­ark­tis, der schwie­ri­ger zu errei­chen ist. Am Ran­de der Ant­ark­tis ist Süd­ge­or­gi­en mit sei­nen groß­ar­ti­gen Pin­guin­ko­lo­ni­en und der Geschich­te des Wal­fangs für Rei­sen­de beson­ders attrak­tiv. Auch hier gel­ten stren­ge Richt­li­ni­en für die Besu­cher.

Ein wich­ti­ger und ein­zig­ar­ti­ger Aspekt des Tou­ris­mus in der Ark­tis ist der Kon­takt zu der Bevöl­ke­rung, den Inu­it. Auch wenn der Schwer­punkt der Ark­tis Rei­sen wei­ter­hin auf der Tier­welt und dem Erle­ben der Wild­nis liegt, inte­grie­ren immer mehr Ver­an­stal­ter auch Besu­che von abge­le­ge­nen Sied­lun­gen in ihre Rei­se­rou­ten. Es ist wich­tig, dass die­se Besu­che zusam­men mit der ört­li­chen Bevöl­ke­rung — und zu ihrem Vor­teil – geplant wer­den. Die Ark­tis ist dane­ben reich an kul­tu­rel­len und his­to­ri­schen Stät­ten, die es zu respek­tie­ren gilt. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen des WWF zu dem Ark­tis-Tou­ris­mus fin­den Sie wei­ter unten.

Botschafter der Natur

Tou­ris­mus stellt nach heu­ti­ger Erkennt­nis in der Regel nur dann eine Gefähr­dung für die Natur der Polar­re­gio­nen dar, wenn die Schif­fe für den Ein­satz nicht geeig­net sind oder Besu­cher die auf­ge­stell­ten Ver­hal­tens­re­geln miss­ach­ten. Gut infor­mier­te und von den Natur­schön­hei­ten begeis­ter­te Rei­sen­de sind dage­gen immer noch die bes­ten Bot­schaf­ter, wenn es dar­um geht, für den Schutz der Polar­ge­bie­te ein­zu­tre­ten.

Tourismus in der Antarktis

© Ste­pha­ni Drü­cker

Hier fin­den Sie wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum The­ma Tou­ris­mus und zu den Expe­di­ti­ons­kreuz­fahr­ten in der Ant­ark­tis.

Tourismus in der Arktis

© Gerd Bet­tin

Hier fin­den Sie wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum The­ma Tou­ris­mus und zu den Expe­di­ti­ons­kreuz­fahr­ten in der Ark­tis.

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